Beitrag von Bezirksrätin Ottilie Eberl zur Inklusionsmesse:

Die 2. Inklusionsmesse in Ebersberg war wichtig und ein Erfolg für alle Beteiligten. 20 Aussteller*innen und über 100 Besucher*innen tauschten sich aus und vernetzten sich. In sieben Vorträgen wurde über Außenarbeitsplätze, Autismus im Alltag, Tandem-Freizeiten,  Selbstverteidigung im Rollstuhl, Vorsorgethemen und die Belastungen im sozialen Beruf berichtet und diskutiert. Die Inklusionsbeauftragte des Bezirks, Claudia Hausberger, berichtete über die Aufgaben und aktuellen Herausforderungen des Bezirks.

 

Grußwort von Ottilie Eberl bei der Inklusionsmesse am 8.10.22 in Ebersberg

Es gibt ja mehrere Begriffe für das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf:

Barrierefreiheit, Integration, Inklusion

Seit 1977 habe ich schon viele Rollstühle geschoben, ab 1987 war ich auch mit dem Kinderwagen unterwegs. So ist mir das Thema Barrierefreiheit schon lange vertraut. Einige Barrieren sind tatsächlich weg, aber da gibt es noch viel zu tun, das wissen viele, die heute auch hier sind, z.B. der Wasserburger Zug oder die vielen fehlenden Rolli-Toiletten in Cafes und Gaststätten.

Was bedeutet Inklusion?

Die UN-Behindertenrechtskonvention trat am 26. März 2009 in Deutschland in Kraft und ist seitdem geltendes Recht in Deutschland, welches von allen staatlichen Stellen umgesetzt werden muss, also auch vom Landratsamt Ebersberg.

Deshalb gibt es im Landratsamt eine Inklusionsbeauftrage, die Frau Prommersberger.

früher stand das medizinisch-defizitäre Verständnis von Behinderung im Vordergrund,

also „was kann der Mensch nicht?“,

die Behinderung wurde als Nachteil empfunden und Menschen mit Behinderungen wurden von der Politik als Bittsteller*innen wahrgenommen wurden, ist es durch die UN-BRK gelungen, einen achtsamen,  menschenrechtlichen Ansatz zu schreiben:

Menschen mit Behinderungen sind Träger*innen von Menschenrechten und der Staat ist in der Pflicht, die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu achten, zu gewährleisten und zu schützen.

Behinderung wird  als Bereicherung der menschlichen Vielfalt angesehen.

Also: was kann dieser Mensch?

In leichter Sprache heißt das:

Jeder Mensch mit Behinderung hat vor dem Gesetz die gleichen Rechte.

Und der wichtige Grundsatz: nicht ohne uns über uns!

Reden wir miteinander, fragen wir nach, erklären wir, warum manches nicht geht oder noch nicht geht und setzen wir uns gemeinsam für die Verbesserungen ein.

 

Es ist für uns alle von Vorteil, wenn öffentliche Räume barrierefrei sind, wenn es ein inklusives Wohnumfeld und eine inklusive Arbeitswelt gibt.

Dann ist vieles einfacher, schöner, leichter.

Das ist die Vision.

Aber: Visionen ohne Aktionen bleiben Illusionen

die Messe heute ist eine der vielen notwendigen Aktionen.

Hier ist Gelegenheit, bei einem der Vorträge wichtige Infos zu erfahren, bei den vielen Ausstellern Fragen zu stellen, beim Ausprobieren am Rollstuhlparcour zu fühlen, wie es ist, Hindernisse überwinden zu müssen, usw.

Wo braucht es noch kräftigen Rückenwind?

Rückenwind braucht es in der Arbeitswelt:

mit inklusiven Jobmessen, alle suchen grade händeringend Personal, auch wenn das nicht von heut auf morgen geht, könnte doch manches entstehen, z.B.

Außenarbeitsplätze, ein Beispiel aus Bamberg,

integra MENSCH ist ein Bereich der Bamberger Lebenshilfe-Werkstätten gGmbH.

Bisher sind über 160 Arbeitsplätze in Betrieben in der Region Bamberg entstanden, davon 145 dauerhafte Patenschaftsarbeitsplätze sowie 16 sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse.

Entstehen könnten Integrationsbetriebe, z.B. mit Gastronomie oder Gartenbau, Da geht es auch darum, Menschen mit Unterstützungsbedarf sichtbar zu machen, bei der Finanzierung gibt es noch Lücken, darum setzen sie sich noch nicht so durch, wie es sein könnte.

Rückenwind braucht es beim Wohnen:

wir brauchen kleinteiligere Wohnformen, statt großen Wohnheimen, Häuser mit vielen Appartments und kleinen Wohngruppen

Rückenwind braucht es bei der Entstigmatisierung vor allem bei psy. Erkrankung:

es muss selbstverständlich werden, dass ich am Arbeitsplatz oder beim VHS-Kurs sagen kann, ich habe eine Angststörung, ich reagiere manchmal komisch, genauso wie ich sage, ich bin Diabetikerin.

Rückenwind für mehr Barrierefreiheit in unzähligen Bereichen, z.B.

beim allgemeinen Hausbau gleich fürs ganze Leben bauen,

bei vielen Alltagsdingen die Menschen mit Seh- oder Höreinschränkungen mitdenken. Z.B. wenn jemand mit Seheinschränkung am MVV-Automaten mit EC-Karte zahlen möchte und das Zahlenfeld nicht lesbar ist,

oder wenn die Rauchmelder in Hotels nicht mit Lichtzeichen ausgerüstet sind, kann für Hörbehinderte sehr gefährlich.

Inklusion heißt auch Teilhabe, einiges habe ich grade beschrieben.

Eine große Gruppe der Bevölkerung habe ich noch nicht erwählt:

die Menschen, die ihre Angehörigen mit Behinderung oder mit Pflegebedürftigkeit zuhause betreuen.

Auch die Pflegenden gehen gerne mal zu einer Veranstaltung, zum Essen, ins Konzert oder fahren mal weg.

Diese Lücken müssen mit mehr Angeboten wie Kurzzeitpflegeplätze oder Assistenzen, die im häuslichen Umfeld die Angehörigenarbeit übernehmen, gefüllt werden.

Ich hoffe sehr, dass heute von dieser Messe Impulse ausgehen, die weitere Hürden und Stigma abbauen.

Ich danke allen, die diese Messe vorbereitet haben,

ich danke allen,die sich heute die Zeit nehmen, an Infoständen oder mit Vorträgen und Aktionen, den Besucher*innen Informationen für mehr Inklusion weiterzugeben.

Und ich danke den Besucher*innen, die Interesse zeigen für ein bereicherndes vielfältiges Zusammenleben.

Ottilie Eberl

Autor*in/Mitwirkende